Mehrfachtiefe Lagerung – wann lohnt es sich? Mehrfachtiefe Lagerung: Kosten sparen ohne Leistungsverlust

Bei der Planung von Neubauprojekten oder Erweiterungsmaßnahmen im Bereich der Intralogistik wird häufig die Strategie einer mehrfachtiefen Lagerung favorisiert. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Für wen eignet sich die doppeltiefe Lagerung? Und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit sich das Prinzip rechnet und an welchen Punkten stößt es an Grenzen?

Diesen und weiteren Fragen gehen wir nach! Als Ladehilfsmittel sollen dabei (Euro-)Paletten im Fokus stehen.

Um Missverständnisse auszuschließen: Behälter für die Kleinteilelagerung lassen sich getreu dieser Strategie ebenfalls einlagern.

FAQs

Bei einer doppeltiefen Lagerung werden zwei Paletten oder Behälter in einem dimensional angepassten Regalfach hintereinander eingelagert.

Doppeltiefe Lagerung ermöglicht eine hohe Lagerdichte, erschließt Kapazitäten durch den Wegfall von Gassen und deren Ausrüstung und verringert Anschaffungs- und Betriebskosten. Es wird weniger Raum benötigt und es ist eine höhere Anzahl von Einlagerungen bei gleichen RBG-Bewegungen möglich.

Für die doppeltiefe Lagerung empfehlt sich vor allem ein vereinheitlichtes Produktspektrum mit geringem Individualisierungsgrad. Im Idealfall kommen Paletten mit einheitlichen Artikelarten zum Einsatz.

Bei anderen, mehrfachtiefen Konzepten (z. B. vierfach-, achtfachtief usw.) gilt dies analog.

Vorteile – qualitativ und quantitativ

Beim Blick auf die Vorteile einer beispielsweise doppeltiefen Lagerung punktet zunächst die hohe Lagerdichte: Indem zwei Lagereinheiten hintereinander in ein und demselben, entsprechend tief ausgeführten Regalfach eingelagert werden, fällt der Platzbedarf wesentlich geringer aus. Gleichzeitig reduziert sich die Zahl der bei einfachtiefer Lagerung erforderlichen Gassen und Regalbediengeräte um 50 Prozent. Infolgedessen wird das zur Verfügung stehende Raumvolumen dank doppeltiefer Lagerung besser genutzt.

Zu diesen Flächeneinsparungseffekten, die angesichts steigernder Grundstücks- und Immobilienpreise respektive Mieten immer bedeutsamer werden, gehören auch parallel geringere Investitionen im Rahmen der Automatisierung.

Aber auch bestehende Hallen ohne Ausbaumöglichkeiten lassen sich perfekt nutzen und Betriebskosten im späteren, operativen Geschäft fallen wesentlich moderater aus.

Restriktionen und Grenzen der doppeltiefen Lagerung

Limitierend können hingegen beschränkte Zugriffsmöglichkeiten auf die in zweiter Reihe positionierten Ladeeinheiten sein. Denn wenn eine solche Palette zur Auslagerung angefordert wird, muss die erste zuvor aus- oder umgelagert werden. Folglich ist das Prinzip der mehrfachtiefen Lagerung eher für ein homogenes bis identisches Artikelspektrum geeignet. Geradezu prädestiniert dazu sind dafür artikelreine Paletten, für die der reguläre Abruf nach LIFO (Last-In, First-Out) überhaupt kein Problem darstellt. Weitgehend ausgeschlossen sind aber verderbliche Güter mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD).

Ohne den Einsatz einer geeigneten Software ist es zudem aufgrund fehlender Direktzugriffsarten auf gangferne Lagerplätze nicht möglich, besonders hohe Durchsätze zu erzielen. Demgegenüber ist ein schneller Zugriff auf die Paletten in erster Reihe mit zügigem Warenumschlag auch auf konventionelle Weise sichergestellt.

Stellenwert von Software zur Optimierung der Ablauforganisation

Die gute Nachricht: Zu großen Teilen lässt sich die Problematik des erschwerten Zugriffs auf Paletten in zweiter Reihe über ein Warehouse Management System (WMS) mit integriertem Materialflussrechner kompensieren. Denn durchdachte Algorithmen, wie sie zum Beispiel SAP EWM/MFS als bekannteste Standardlösung für die moderne Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung bietet, lösen die Problematik: Hier sind in der Software nämlich zum Beispiel neben Einfach- auch Zwei- oder Mehrfachlastaufnahmemittel auf Regalbediengeräten abgebildet.

Zur Anwendung können darüber hinaus individuell angepasste, analytische Spielzeitmodelle in Kombination mit intelligenten Betriebsstrategien kommen. Mit ihnen es unter anderem möglich, anhand spezifischer Einlagerungsstrategien die Zahl der sonst anfallenden, erforderlichen Umlagerungen zu reduzieren – etwa durch die Bildung material- beziehungsweise lieferungsreiner Regalfächer in betriebsärmeren Zeiten. Zudem werden die Fahrzeiten und Leerfahrten hierdurch verringert.

Auch die bewährte ABC-Klassifizierung oder „Zonierung“ ist nach wie vor ein probates Mittel, um die Performance in doppeltief ausgeführten Lagern der einer einfachtiefen Lösung anzugleichen. Bei dieser Einteilungsmethode handelt es sich um eine (Optimierungs-)Strategie in der Lagerplanung: Hierbei werden Waren nach ihrem Wert und Umsatz klassifiziert und entsprechend im Lager angeordnet und verteilt. A-Produkte sind demnach die wichtigsten Produkte, denen Vorrang eingeräumt werden muss.

Wann eignet sich die mehrfachtiefe Lagerung?

Ob sich die doppeltiefe bzw. mehrfachtiefe Lagerung für ein Unternehmen lohnt, ist eine individuelle Entscheidung, die von mehreren Faktoren abhängig ist - doch eine Analyse des Preis-/Leistungsverhältnisses lohnt sich definitiv! Denn mit mehrfachtiefer Lagerung damit lassen sich auf begrenzter Fläche weitaus mehr Lagerplätze realisieren, als dies per einfachtiefer Lagerung möglich ist. Außerdem lassen sich Durchsatz und Verfügbarkeit bei Bedarf softwareunterstützt weiter steigern. Anwender:innen können hierfür ein herkömmliches Lagerverwaltungssystem nutzen oder das gesamte Potenzial durch den Einsatz, der mit "einer Extraportion Intelligenz" ausgestatteten Standardsoftware SAP EWM (SAP Extended Warehouse Management), ausschöpfen.

Um das Optimum in Sachen Lagerleistung herauszuholen, ist das IGZ Best Practice „Smart Slottingdie sinnvollste Ergänzung. Denn wenn schon eine mehrfachtiefe Lagerung schon einen hohen Nutzen erfüllt, kann mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) die Lagerperformance nochmals verbessert werden: Zum Beispiel erleichtert das Smart Slotting unter Einsatz von KI die Einlagerung mit einer intelligenten Lagerplatzsuche. Es entscheidet durch eine KI-gestützte Auswertung der Daten, in welchem Bereich (ABC-Bereich, vorne/Mitte/hinten) ein Behälter/eine Palette bei der Einlagerung in ein (automatisches) Lager am besten eingelagert werden soll.

Falls Sie Hilfe beim Bestimmen Ihrer optimalen Lagerstrategie benötigen oder sich für doppel- beziehungsweise mehrfachtiefe Lagerung interessieren, können Sie gerne jederzeit auf uns zukommen.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!