Wie lohnen sich Roboter in der Lagerlogistik?
Monetär und qualitativ

Lohnt sich der Einsatz von Robotern in der Lagerlogistik? Gründe, die dafür sprechen und auf die wir im Folgekapitel eingehen, gibt es reichlich. Auch deutet sich schon jetzt an, dass die Nachfrage nach Digitalisierung, Vollautomatisierung und Robotik-Lösungen in der Intralogistik deutlich anzieht – nicht zuletzt aus aktuellem Anlass. Denn die Corona-Pandemie zeigt, dass Unternehmen ihre Prozesse überdenken und ggf. neu ausrichten müssen. Kollege Roboter und die Automatisierung im Allgemeinen haben den entscheidenden Vorteil, Knotenpunkte, an denen viele Mitarbeiter nah aufeinander treffen, zu eliminieren. Infolge ist es kein Problem, Abstandsregelungen einzuhalten. Für den Robotik-Einsatz spricht auch, dass Menschen von anhaltend stupiden monotonen Bewegungen, die auch gesundheitlich nicht gerade förderlich sind, etwa im Bereich der Kommissionierung, entlastet werden. Doch welche Kosten entstehen und welche Qualitätsaspekte rechtfertigen die Investition? Die wichtigsten Informationen haben wir in diesem Blog-Beitrag für Sie aufbereitet.

Welche qualitativen Aspekte sprechen für den Robotik-Einsatz?

Der Ende Juni vorgestellte Automatica-Trendindex 2020 schlussfolgert, dass sich der Trend zu höherer Automatisierung und Roboterdichte fortsetzen werde. Dies würden 84% der befragten Entscheider bestätigen. So verzeichneten allein die Robotik-Anbieter nach Angaben von Abi Research in 2019 Rekordeinnahmen in Höhe von 46 Mrd. US-Dollar. Doch sie sind nicht die alleinigen Profiteure. Die Bereitschaft, in Automatisierung zu investieren, wird einerseits durch Platzmangel aufgrund baulicher Restriktionen befeuert, der eine kompakte Lagerung einfordert. Nicht minder von Relevanz sind gestiegene Durchsatzanforderungen in Verbindung mit einer verbesserten Lieferqualität sowie der Wunsch, interne Transportwege und Aufwände in puncto Konsolidierung zu verringern. Hinzu kommen älter werdende Belegschaften und die generelle Problematik, neue und vor allem qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Automatisierte Prozesse entlasten von körperlich schweren und mitunter monotonen Tätigkeiten. Sicher ist auch, dass ein wohlgeordnetes, ergonomisch gestaltetes Arbeitsumfeld die Leistungsbereitschaft erhöht und die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber steigert.

Weitere Faktoren, die den Kauf rechtfertigen

Speziell Industrieroboter sind in der Tat vielseitige, produktive Helfer, die mitunter auch größere Lasten problemlos greifen und handhaben können. Sie agieren schnell und präzise und sind in der Regel ausfallsicher. Intelligent integriert tragen sie auch dazu bei, dass Mindestabstände zwischen den im Fertigungs- und Logistikumfeld tätigen Werkern mühelos eingehalten werden können. Die aufgrund von COVID-19 gemachten Erfahrungen haben zudem gezeigt, dass Roboter durchaus flexibel nutzbar sind. So waren und sind etliche Unternehmen gezwungen, ihre Produktion zumindest temporär umzustellen. Den im Einsatz befindlichen automatisierten Assistenten konnten innerhalb weniger Tage neue Aufgaben zugewiesen werden, die sie ebenso zuverlässig verrichten. Sie sagen jetzt: auch der Mensch ist flexibel. Okay, Punkt für Sie als Leser! Dennoch wird an dieser Stelle deutlich, dass Roboter auch aus wirtschaftlichem Blickwinkel interessant sind. Dafür sprechen ihre Wiederverwertbarkeit in Gänze oder der einzelnen Komponenten. Dies ist wiederum den Investitionen für die Anschaffung gegenüberzustellen. Bei einer weiteren Nutzung – und seien es nur einzelne Bestandteile – sinkt wiederum der monetäre Aufwand bei Produktumstellungen oder der Implementierung von Neuanlagen.

Welche Kosten fallen bei Robotersystemen an?

Häufigste Anwendungsfelder im Bereich der Lager- bzw. Intralogistik sind die Kommissionierung und Verpackung. Ihre Arbeit leisten Roboter aber auch bei der De-Palettierung im Wareneingang. Sie sind schneller als der Mensch, ermüden nicht und arbeiten fehlerfrei, bei Bedarf auch rund um die Uhr. Vor diesem Hintergrund ist es empfehlenswert, neben dem einmaligen Einkaufspreis auch die Betriebs- und Verwertungskosten über die gesamte Einsatzdauer in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken.

Wenn Sie über den Einsatz von Robotern in der Lagerlogistik nachdenken, fragen Sie sich zunächst: Wie ist die erforderliche Traglast auf einer Skala anzuordnen, welche Reichweite ist abzudecken, wie viele Achsen werden benötigt und in welchen Präzisionsausmaß muss der Roboter agieren können? All dies sind entscheidende Parameter mit direktem Einfluss auf die Anschaffungskosten.

Was ist im Detail in die Kalkulation einzubeziehen?

Wenden wir uns nun den laufenden Betriebskosten zu, die zwingend in die Vorausberechnung einbezogen werden sollten. Dazu zählen primär Aufwendungen für den benötigten Raum, die Instandhaltung, Energie und das Personal. Zentrale Größen zur Bestimmung des Flächenbedarfs sind natürlich die Abmessungen des Roboters an sich sowie seine Reichweite. Zu berücksichtigen sind darüber hinaus unterstützende Technologien, die im direkten Umfeld wirken. In diese Kategorie fällt zum Beispiel eine stationäre, zuführende Fördertechnik. Entsprechenden Raum beanspruchen aber auch Stapler und fahrerlose Transportsysteme (FTS), die die Waren bereitstellen. 

Investitionen in die Instandhaltung sind unerlässlich, um die Anlagenverfügbarkeit auf konstantem Niveau zu halten. Wer an dieser Stelle spart, zahlt letzten Endes drauf. Eine zuverlässige, realistische Abschätzung ist auf Basis von Kennzahlen möglich, die für jedes im Roboter verbaute Teil erhoben werden sollten. Potenziellen Nutzern, die diesen Aufwand scheuen, empfehlen Experten, etwa zehn Prozent der Anschaffungskosten zugrunde zu legen. Etwas schwieriger gestaltet sich die Kalkulation der Energiekosten. Pauschale Empfehlungen können hier nicht getroffen werden, da die Größe und Reichweite des Roboters und dessen Tragkapazität entscheidend für den abzudeckenden Strombedarf sind. Weitere Parameter sind die Nutzungsdauer sowie die im operativen Betrieb umgesetzten Strategien hinsichtlich Fahrgeschwindigkeit und Beschleunigung.  

Selbst wenn Roboter in der Lagerlogistik autonom ihren Dienst verrichten, übernimmt der Mensch weiterhin einen wichtigen Part – wenngleich anderweitig qualifiziert. Kosten für Bedienpersonal entfallen dank Automatisierung. Im Gegenzug sind Mitarbeiter gefragt, die hinreichend Kenntnisse rund um die Wartung und Programmierung mitbringen. Gleichzeitig ist es wichtig, innerhalb der Belegschaft sog. Stand-by-Personal zu benennen, das im Störungsfall entsprechende Aufgaben übernimmt. 

Opportun ist darüber hinaus eine Abschätzung der Verwertungskosten. Dies ist allerdings ein wenig kompliziert, da anfänglich selten bekannt ist, ob das Robotersystem nach Ablauf der Nutzungsdauer verkauft oder entsorgt wird. Entscheidend für den Restwert ist in diesem Kontext auch, inwieweit einzelne Komponenten unter Umständen anderweitig Anwendung finden können. Je höher dieser Anteil ist, desto höher fällt der Restwert aus, bei dem aber auch die geleisteten Betriebsstunden zu berücksichtigen sind. Bei anstehender Entsorgung ist es unter Umständen möglich, aus dem Verkauf des Altmetalls Einnahmen zu generieren. Demgegenüber fallen Gebühren für die Verschrottung an.

Prozesssicherheit und Wandelbarkeit im Fokus

Gerade im Hinblick auf die anfallenden Kosten beim Robotik-Einsatz ist mit diesem Blog-Beitrag kein Anspruch auf Vollständigkeit verbunden. Es wird vielmehr das Ziel verfolgt, Ihnen einen ersten, kompakten Überblick zu verschaffen. Denn der Umstieg auf Roboter-gestützte Prozesse in der Lagerlogistik ist eine Grundsatzentscheidung, der eine präzise Planung vorausgehen sollte. Nur eine bedarfsgerecht dimensionierte und sauber kalkulierte Lösung rechnet sich auf Dauer. Dann ist es auch vergleichsweise einfach, den ROI (Return of Investment) abzuleiten. Dabei sollte der monetäre Aufwand über den gesamten Einsatzzyklus stets aber auch den erzielbaren Mehrwerten gegenübergestellt werden: Schwachstellen werden beseitigt, die Prozesssicherheit wird gesteigert und die Produktivität erreicht ein neues Niveau. Gleichzeitig sind Sie flexibel in der Entscheidung, dem Roboter im sprichwörtlichen Fall der Fälle für neue Arbeiten einzuteilen.

Pick-by-Robot: die neue Generation

Mit PICK-BY-ROBOT®, dem IGZ Best Practice für die effiziente Einzelstückkommissionierung, hat IGZ eine Lösung entwickelt, die direkt durch SAP EWM / MFS (SAP Extended Warehouse Management) angesteuert wird. Die Integration von LUKE2 in eine bereits bestehende Fördertechnik erfordert dabei keine Umbauten; der Anschluss erfolgt lediglich mit der mitgelieferten Dockingstation und einem Anschlusskabel. Eine Hochleistungskamera über Quell- und Zielbehälter ermittelt die Eckdaten für den Greifvorgang und sorgt im Zuge der Einzelstück-Kommissionierung kontinuierlich für eine optimale Befüllung sämtlicher Zielbehälter. Verschiedene IGZ-eigene, optimierte Werkzeuge und der integrierte, automatische Werkzeugwechsler ermöglichen ein großes Artikelspektrum. Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit ist die Verwendung des robotergestützten Kommissioniersystems vor allem für Unternehmen mit Mehrschichtbetrieb attraktiv. Bei Fragen zu LUKE2 oder dem Robotik-Einsatz in der Lagerlogistik im Allgemeinen sprechen Sie uns gerne an!