Wann macht Automatisierung im Lager Sinn? Abstufungen in der Lagerautomatisierung

Für viele Unternehmen steht das Thema Lager-/Logistikautomatisierung ganz weit oben auf der Agenda. Doch aller Anfang ist schwer und viele zerbrechen sich den Kopf darüber, welche Automatisierungsstufe die richtige für ihr Lagerlogistik-Einsatzszenario ist. Dieser Frage gehen wir auf den Grund und stellen Ihnen die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Abstufungen vor. Lagerprozesse können in unterschiedlichem Ausmaß und in unterschiedlicher Weise automatisiert werden. Bei den primären Lagerprozessen, wie der Einlagerung und Kommissionierung, wird zwischen drei Automatisierungsstufen unterschieden, die man anhand ihres Mechanisierungsgrads unterscheidet.

Die drei Automatisierungsstufen:

1. Manuelles Lager

In einem manuellen oder herkömmlichen Lager werden alle Arbeitsgänge vom Menschen verrichtet, etwa mit Gabelstaplern oder Hub-/Transportgeräten. Bei dieser Lagerautomatisierungsstufe umfasst die Lagerautomatisierung lediglich die Mitarbeiter*innensteuerung über ein Lagerverwaltungssystem (LVS, z. B. SAP EWM). Dieses übernimmt die Planung, Optimierung und Steuerung aller manuellen Prozesse. Das Lagerverwaltungssystem berücksichtigt beispielsweise die Abfahrtzeiten des LKWs und plant die anstehenden Kommissionieraufgaben so, dass die richtigen Waren zur richtigen Zeit an der richtigen Laderampe bereitstehen. Anweisungen erhalten die Mitarbeiter*innen über Bildschirmanzeigen (z. B. Hand- oder Fahrzeugterminals), mobile Devices, Geräte mit Spracherkennung oder Datenbrillen.

2. Teilautomatisiertes Lager

Bei einem teilautomatisierten Lager werden für das Erreichen wirtschaftlicher Betriebsabläufe nur einzelne und nicht alle Arbeitsschritte automatisiert. Je nach Anwendungsfall kann eine Teilautomatisierung besser zu den gegebenen Anforderungen passen als ein manuelles oder vollautomatisiertes Lager. Gesteuert und an das Lagerverwaltungssystem gekoppelt werden können zum Beispiel: Schmalgangstapler, Kommissionierer und Schubstapler. Eine Steuerung der Schmalgangstapler ermöglicht beispielsweise die automatische Anfahrt zum nächsten Kommissionierplatz, sodass die Mitarbeiter*innen bei diesem Lagerautomatisierungsmodell nicht mehr selbst suchen, fahren und manövrieren müssen.

Insbesondere in der kostenintensiven Kommissionierung können teilautomatisierte Lösungen wie Lagerlifte die Prozesse deutlich verbessern und beschleunigen. Eine weitere Ausbaustufe können auch innovative Kommissionierverfahren wie z. B. die gestengesteuerte Kommissionierung (Pick-by-Motion®) sein: Diese führen Mitarbeiter*innen noch intensiver durch den Prozess als bei klassischen Methoden wie z. B. Pick-by-Voice. Die Kommissionierungs-Quittierung ist durch eine einfache Geste möglich und Tastatur- oder Spracheingaben sind hingegen nicht mehr erforderlich.

3. Vollautomatisiertes Lager

Bei der dritten Lagerautomatisierungsstufe, einem vollständig automatisierten Lager, sind keine oder zumindest vergleichsweise wenig menschlichen Arbeitsgänge notwendig. In der Regel bestehen diese Läger aus Regalen und Regalbediengeräten oder Shuttles, die Paletten, Behälter oder Kartons vollautomatisch mit Ware ein- und auslagern.

Wenn man es ganz genau nimmt, kann man in einem Lager, in dem Kommissionierung stattfindet, noch nicht wirklich von einem vollautomatischen Betrieb sprechen: Schließlich werden an den Kommissionierplätzen immernoch Mitarbeiter*innen für die Zusammenstellung der richtigen Artikelanzahl benötigt. Die Mitarbeiter*innen müssen jedoch nicht mehr zur Ware, denn die Ware kommt zu ihnen (Prinzip „Waren-zur-Person“). Die vollständige Automatisierung des Artikelkommissionierens ist z. B. wegen der unterschiedlicher Formen und Abmessungen der Artikel bisher noch sehr komplex. Doch für das Kommissionieren oder Case Picking homogener Artikel sind solche Systeme schon erhältlich (z. B. Pick-by-Robot®). Diese Innovationen setzen sich zum Ziel, auch diesen letzten Arbeitsschritt noch zu automatisieren. Dann lässt sich auch tatsächlich von einer Vollautomatisierung des Lagers sprechen.

Fazit

Je nach Anwendungsfall eignen sich verschiedene Lager-/Logistikautomatisierungsstufen. Darum gibt es nicht die eine richtige Wahl. Unternehmen entscheiden sich oft für einen individuell auf sie zugeschnittenen Automatisierungsgrad: Das kann eine Kombination aus manuellen, teil- und/oder vollautomatisierten Systemen sein. Dabei ist darauf Wert zu legen, dass die gesamten Betriebsabläufe von einem Lagerverwaltungssystem (wie z. B. SAP EWM) geplant und gesteuert werden, damit alle eingesetzten Komponenten zusammen wie ein einziges System funktionieren.

Weitere Infos zum Thema Lagerautomatisierung und Logistikplanung erhalten Sie unter www.igz.com/sap-automation/logistikplanung/

Weitere Infos zu den Unterschieden zwischen der automatischen und manuellen Kommisionierung finden Sie im Blogbeitrag "Kommisioniersysteme im Vergleich".

Neugierig geworden oder Fragen zum Thema Lagerautomatisierung? Sie haben Fragen oder wünschen weiterführende Informationen rund um das Thema Automatisierung? Kontaktieren Sie uns für einen gemeinsamen Austausch. Wenn Sie sich aktuell mit der Automatisierung Ihrer Intralogistik auseinandersetzen, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf oder seien Sie bei einem unserer Webinare live dabei. Dort gewinnen Sie Einblicke in bereits realisierte Projekte und erfahren, wie wir anspruchsvolle Herausforderungen im Logistik- und Produktionsumfeld auf Basis von SAP Standardsoftware gemeinsam mit unseren Kunden gelöst haben.

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Vom manuellen zum vollautomatisierten Lager
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Highlights aus dem Whitepaper
  • Vorteile der Automatisierung manueller Prozesse im Lager
  • Robotergesteuerte Kommissionierung: Pick-by-Robot®
  • Die unterschiedlichen Abstufungen der Lagerautomatisierung
  • Entscheidungskriterien für Lagerautomatisierungs-Maßnahmen
  • Wichtige Faktoren für die Entscheidungsfindung über die richtige Lagerautomatisierung