Augmented Realitiy - Die HoloLens
Hype oder Hoffnungsträger?

10.07.2018 | HH
IGZ Hololens - im Logistikbereich

Ende Juli 2017 hat Microsoft verkündet, die nächste HoloLens-Generation auch mit einem speziellen Co-Prozessor für künstliche Intelligenz auszustatten. Doch STOP! Bevor wir uns in Zukunftsvisionen verlieren, möchten wir Ihnen in diesem Beitrag die „schlaue“ Datenbrille zunächst einmal näher vorstellen und aus dem aktuellen, noch in der Experimentierphase befindlichen Entwicklungsstand ableiten, welche Mehrwerte diese Technologie für eine SAP-basierte Produktion und Logistik bietet beziehungsweise bieten wird.
 
Wichtig sind in diesem Zusammenhang aber auch die Grenzen dieser Technologie. Denn schließlich ist die aktuelle HoloLens, die seit Ende 2016 auch in Deutschland angeboten wird, je nach Ausstattung mit Investitionskosen zwischen 3.000 und 5.000 US-Dollar verbunden – pro Stück! Daher haben wir die Brille, die viele neue Möglichkeiten und Arbeitswelten eröffnen soll, einem akribischen Eignungstest unterzogen und für Sie eine kleine Checkliste abgeleitet.

Bevor wir jedoch in „medias res“ gehen, ist es wichtig, zwischen Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) zu differenzieren: VR-Nutzer tragen eine rundum geschlossene Brille. Virtuelle Inhalte werden ihnen über das Display angezeigt und sie tauchen komplett in eine 360 Grad-Parallelwelt ein, die sowohl optisch als auch akustisch auf den Menschen einwirkt. Das reale Umfeld wird gänzlich ausgeblendet.

Bei Augmented Reality (= erweiterte Realität) hingegen nimmt der Nutzer weiterhin seine Umgebung war. Er hat also sein gewohntes Sichtfeld im Blick, das jedoch um virtuelle Inhalte bereichert wird – etwa 3D-Objekte, Bildelemente oder Informationen. Eine AR-Applikation ist zum Beispiel die einst äußerst populäre App Pókemon GO. Gleichwohl lässt sich die dahinter steckende Technologie weitaus sinnvoller nutzen – und damit wären wir wieder beim Thema „Smart Glasses“. Die wohl bekanntesten Vertreter dieses Genres im AR-Bereich sind GoogleGlass und eben die Microsoft HoloLens.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Datenbrillen benötigt die HoloLens keine störende Verkabelung. Die Technik steckt vielmehr direkt in dem durchaus als kompakt zu bezeichnenden Gestell. Setzt der Nutzer dieses auf, erscheinen in seinem Blickfeld zwei- oder dreidimensionale Darstellungen. Realisiert wird dies über integrierte Kameras und Sensoren, die virtuelle Bilder und Informationen in sein Blickfeld projizieren und die direkte Umgebung permanent scannen. Die Steuerung erfolgt über Finger und Hände – vergleichbar mit der Gestensteuerung mittels PICK-BY-MOTION, eine Kommissioniermethode, die sich bereits vielfach im Praxiseinsatz bewährt, allerdings in Verbindung mit einer stationären Anzeige.
 

Doch welche konkreten Mehrwerte versprechen Datenbrillen? Erste Einsätze von Google Glass in der Intralogistik waren nicht wirklich von durchschlagendem Erfolg gekrönt. Anwender beklagten die geringe Größe des Displays und ermüdeten nach eigenen Angaben schnell. Auch VR-Brillen sind diesem Bereich keine Alternative, da die Notwendigkeit, ein Lagerumfeld komplett virtuell abbilden zu müssen, wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Hier überzeugt die HoloLens, die das reale Geschehen um virtuelle Inhalte erweitert, Informationen situationsbedingt bereitstellt und die Integration individueller Steuerungselemente zulässt.

Die intelligente Datenbrille assistiert den Mitarbeitern sowohl im Zuge der Kommissionierung als auch im Bereich der Verpackung und ermöglicht eine kontextbasierte Informationsbereitstellung. Virtuelle Einblendungen verweisen beispielsweise darauf, aus welchem Behälter oder aus welchen Regalfach Ware zu entnehmen ist. Der Werker entnimmt jeweils die Artikel und identifiziert sie über die Brille. Er wird also durch punktuelle Anzeigen wegeoptimiert durch den Pick-Prozess geführt und muss seine Arbeit zwecks Informationserkennung und -verarbeitung nicht mehr regelmäßig unterbrechen. Das spart wertvolle Zeit, steigert die Produktivität und wirkt sich positiv auf die Prozesskosten aus. Setzt sich diese Technik durch, werden sie aufwändig zu implementierende Verfahren, wie etwa Pick-by-Light, ernsthaft Konkurrenz machen.

In der Industrie hingegen fällt der Zuspruch deutlich geringer aus. Zu groß sind nach wie vor die Defizite vor dem Hintergrund der spezifischen Anforderungen. Dies betrifft insbesondere die Faktoren Ergonomie und Verfügbarkeit. Die möglichen Akkulaufzeiten sind schlicht zu kurz. Auch variieren die Vorstellungen hinsichtlich Informationsaufbereitung und -darstellung und im Kontext von Industrie 4.0 sind zudem gewaltige Datenmengen zu managen. Stichwort: BigData!

Wenig Widerspruch regt sich, wenn es um das Thema Wartung und Instandhaltung geht. So kann das Servicepersonal relevante Kenndaten einer zu inspizierenden Maschine oder Anlage bereits im Vorfeld visualisieren. Auch vor Ort haben die Mitarbeiter einen uneingeschränkten Zugang zu allen erforderlichen Daten und Informationen. Folge sind massiv verkürzte Wartungs- Instandsetzungszeiten.

Weitere Potenziale in puncto Wartung und Service lassen sich durch die Anbindung der HoloLens an SAP ERP über die SAP Cloud (SCP) erschließen. Dann ist unter anderem der Zugriff auf Dokumente und Informationen aus SAP HANA möglich, so dass auch dort hinterlegte Anleitungen, Montagehinweise oder technische Zeichungen abgerufen werden können. Somit sind Echtzeitdaten aus dem „Internet der Dinge“ (IoT) jederzeit verfügbar. Und da die HoloLens allein über Gesten und Sprachbefehle gesteuert wird, haben die Mitarbeiter gleichzeitig stets alle Hände frei und können sich nahezu uneingeschränkt auf ihre Arbeit konzentrieren.


Das Potenzial ist da. Beantworten Sie einfach ein paar Fragen und Sie werden überzeugt sein!

Durch die Möglichkeit, auch komplexe Sachverhalte realitätsnah und unmissverständlich darstellen zu können, eigenen sich AR-Brillen wie Microsoft HoloLens zudem für weitere Anwendungsbereiche. So können Planer und Systemanbieter beispielsweise dreidimensionale, virtuelle Varianten kompletter Anlagen – vom Wareneingang, über die Lagerung und Kommissionierung bis hin zum Versand – erzeugen und diese entsprechend präsentieren. Der (potenzielle) Kunde hat dann die Möglichkeit, die vorgestellte Lösung aus jedem Blickwinkel heraus in Augenschein zu nehmen.

Unser Fazit: Aufgrund ihrer technischen Eigenschaften und der vielfältigen Möglichkeiten von Augmented Reality bietet die HoloLens ein enormes Potenzial zur Prozessoptimierung – auch unter Lean-Gesichtspunkten. Bis zur Marktreife ist jedoch noch einiges zu tun. Das betrifft einerseits das Gewicht der Datenbrille, welches weiter reduziert werden sollte, und andererseits natürlich den Preis. Dieser sollte deutlich erschwinglicher sein. Darüber hinaus wäre eine Ausweitung des Angebots an Apps hilfreich. Bereits verkündet wurde, dass die HoloLens mit dem nächsten Windows-10-Update befähigt sein soll, auch virtuelle Realitäten anzuzeigen.

Fakt ist, Datenbrillen wie die HoloLens sind ein zentraler Schlüssel für die Umsetzung des konzeptionellen Leitgedankens einer „Industrie 4.0“. Denn diese Technologie schafft die Voraussetzungen, den Menschen via kontextbezogener Informationsbereitstellung in Verbindung mit flexibel anpassbaren Steuerungsmechanismen in teilautomatisierte Prozesse zu integrieren.

Wir werden dieses hochspannende Thema für Sie weiterverfolgen und zyklisch darüber berichten!

Wenn Sie schon jetzt klären möchten, inwieweit sich Datenbrillen der neuesten Generation für Ihr Unternehmen eignen und welche Vorbereitungen Sie treffen müssen, dann ist diese kleine Checkliste möglicherweise hilfreich:

  • Welche Prozesse sind prädestiniert für den Einsatz?
  • Stimmt die Datenbasis und ist sie bereits digitalisiert?
  • Welche Möglichkeiten habe ich, Daten für die situationsbezogene Darstellung aufzubereiten?
  • Lassen sich Abläufe verschlanken und vielleicht auch Arbeitsschritte einsparen?